Universitatea

Nicht mehr nur die Zuschauer kehren dem professionellen Fußball den Rücken

Nicht mehr nur die Zuschauer kehren dem professionellen Fußball den Rücken. Vor zehn Jahren besiegten Dinamo und Rapid Bukarest im Europapokal Bayer 04 Leverkusen, Hertha BSC und den Hamburger SV. Heute spielt der rumänische Meister Astra Giurgiu seine Heimspiele vor 350 Zuschauern. Korrupte Funktionäre, Retortenvereine und ein schlechtes Spielniveau kennzeichnen den rumänischen Fußball dreißig Jahre nach dem Steaua Bukarest als erster osteuropäischer Verein den Europapokal der Landesmeister gewinnen konnte.

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Der rumänische Klubfußball befindet sich im freien Fall – sportlich, finanziell und vom Zuschauerinteresse her. Langjährige Erstligisten spielen nur noch in der Kreisliga und müssen über die umliegenden Dörfer ziehen. In die Fußballstadien der Erstligisten zieht es unterdessen oft weniger Menschen als zum Basketball, Handball oder Eishockey. In den internationalen Klubwettbewerben schaffen die rumänischen Vertreter meist nicht einmal mehr die Qualifikation für die Hauptrunde, auch, weil bis auf Steaua Bukarest kein Verein mehr Ablösesummen bezahlen kann.

Noch vor zehn Jahren stand die Divizia A kurz davor die Bundesliga in der UEFA-Fünf-Jahreswertung zu überholen. Dinamo Bukarest besiegte im UEFA-Pokal Bayer 04 Leverkusen und Steaua Bukarest musste sich in der UEFA-Champions-League zwar Olympique Lyon und Real Madrid geschlagen geben, setzte sich aber gegen Dinamo Kiev durch. Ein Jahr zuvor standen sich Steaua und Rapid Bukarest sogar im Viertelfinale des UEFA-Pokals gegenüber. Im Sechzehntel- und Achtelfinale setzte sich Rapid gegen Hertha BSC und den Hamburger SV durch. Das Halbfinal-Hinspiel zwischen Steaua und Middlesbrough verfolgten 50.000 Zuschauer im Lia-Manoliu-Stadion. (mehr …)

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UTA Arad v. Universitatea Cluj

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Viel zu bieten, egal ob auf den Rängen oder auf dem Spielfeld, hat der rumänische Fußball momentan nicht. Die Spieler der Nationalmannschaft sind überwiegend in ausländischen Klubs angestellt, im Europapokal sind die rumänischen Vertreter schon im August ausgeschieden und in der zweiten Liga kämpfen mehrere Vereine gegen den finanziellen Bankrott. Lichtblicke gibt es wenige und die ganze Tristesse des rumänischen Fußballs zeigte sich in seiner vollen Kraft in Karansebesch, am Tag vor dem Spiel zwischen Arad und Klausenburg. Gerade einmal 150 Zuschauer waren zum Spiel des Aufsteigers FC Caransebeș gegen den letztjährigen Erstligisten FC Brașov gekommen, mich eingeschlossen.

Das Spiel zwischen UTA Arad und Universitatea Cluj war dahingegen eine willkommene Abwechslung. Der Gastgeber ist mit sechs Meisterschaften und zwei Pokalsiegen noch immer die erfolgreichste Mannschaft außerhalb Bukarests. Gleichwohl liegen diese Erfolge schon Jahrzehnte zurück. In den letzten Dekaden musste man sich allzu häufig mit Zweitligafußball begnügen. Weniger erfolgreich, lediglich einmal konnte man den Cup gewinnen, ist „U“ Cluj. Auf den Rängen gehören die Anhänger beider Klubs zu den besseren des Landes, auch wenn man wie so viele Szenen in den letzten Jahren stark nachgelassen hat. Die Rivalität zwischen beiden Fanszenen ließ dementsprechend auf ein gutes Spiel hoffen. Noch bis vor einigen Jahren verband beide Seiten ein freundschaftliches Verhältnis. Das ist heute jedoch anders und so präsentierte UTA einiges an Material des Gegners, garniert mit dem Spruch „Damit ganz Europa sieht wie stark Cluj-Napoca ist“ – in Anlehnung an Klausenburg als Europäische Jugendhauptstadt und inoffizielle Hauptstadt Siebenbürgens. Darüber hinaus pflegt die „Alte Dame“ heute ein freundschaftliches Verhältnis mit Steaua Bukarest (Sud Steaua), während die „Studenten“ dem Lokalrivalen (Sud Dinamo) wohlgesonnen sind. Gleichwohl sollte man dies nicht mit einer innigen Freundschaft verwechseln. Es gab Zeiten, als die Szenen des Landes die Hauptstadtklubs hassten und diese wirken bis heute nach. Eine Freundschaft verbindet UTA vielmehr mit dem Drittligisten Corvinul Hunedoara, die Black Devils von „U“ wiederum pflegt Kontakte zu Jiul Petroșani (Noi din Vale), von einer engen Freundschaft, die gesamte Szene betreffend, lässt sich hier allerdings nicht sprechen.

Die Spiel selbst war zunächst eher träge, genau wie die Stimmung auf dem Rängen. Die Platzverhältnisse ließen wenig Raum für ansehnliches Kurzpassspiel und der bessere Dorfsportplatz – UTA baut derzeit ein neues Stadion – war zudem wenig stimmungsförderlich. Die Hausherren trafen allerdings in der Nachspielzeit der ersten Hälfte und zumindest auf den Rängen wurde es damit in der zweiten Hälfte besser und gegen Ende sogar richtig gut. Für das heutige Rumänien ein zufriedenstellender Tag, in Bundesrepublik wäre es stimmungstechnisch eher auf dem Niveau eines besseren Regionalligaspiels. Außerhalb des Stadions blieb es nach dem Spiel ruhig, die Uniformierten hatten aber auch einiges an Ausrüstung aufgefahren. Da war wenig Spielraum für die 100 Gäste und etwas mehr sportlichen Arader.

Cluj contra Cluj: CFR

Der ungarische Fußballverband wurde 1901 gegründet und der Klubfußball seither durch die Budapester Mannschaften dominiert. Erster Meister wurde der Budapesti Torna Club, dessen Fußballsektion 1897 gegründet wurde. Teil des ungarischen Königreichs war zu diesem Zeitpunkt auch das siebenbürgische Kolozsvár (Klausenburg). Als erster Fußballverein der Stadt gründete sich 1902 der Kolozsvári Egyetemi Atlétikai Club. In einem ersten Spiel zwischen verschiedenen Mannschaften standen sich 1905 Kolozsvári Kereskedelmi Akadémia Sportköre und Kolozsvári Athletikai Club gegenüber. Im Jahr der ersten lokalen Meisterschaft gründete sich auch der Kolozsvári Vasutas Sport Club (Klausenburger Eisenbahner Sport Klub, heute CFR 1907 Cluj).

Erfolge konnten die Eisenbahner zunächst nicht aufweisen. In der ersten Meisterschaftsrunde 1907-08 unterlagen sie in sechs Spielen sehr deutlich den Konkurrenten KAC und KASK. Erst 1910-11 gelang der erste Titelgewinn. Dieser berechtigte zur Teilnahme an der Qualifikation für die Endrunde zwischen den besten Mannschaften der ungarischen Provinzen. Als Vertreter des östlichen Bezirks unterlag die fortan als Kolozsvári Torna Club firmierende Mannschaft schon im ersten Spiel dem Kassai Athletikai Club (heute: Košice, Slowakei). Als zwei Jahre später die erste siebenbürgische Meisterschaft, mit Mannschaften aus Neumarkt am Mieresch, Hermannstadt, Deva und Miereschhall ausgetragen wurde, gewann der KTC diese ungeschlagen. Doch im Wettbewerb um die Provinzmeisterschaft scheiterten die Klausenburger abermals schon im ersten Spiel, diesmal an Bácska Szabadkai Athletikai Club (heute: Subotica, Serbien).

Am 1. Dezember 1918 tritt Siebenbürgen dem Königreich Rumänien bei und aus dem Klub der ungarischen wird nun jener der rumänischen Eisenbahn (Căile Ferate Române). Die dominierenden Mannschaften der Stadt sollten fortan allerdings Victoria Cluj (später: România Cluj) und Universitatea Cluj sein. Beide waren auch Gründungsmitglied der ersten professionellen Meisterschaftsrunde 1932-33. CFR spielte lediglich in den Runden 1934-35 sowie 1935-36 in der zweitklassigen Divizia B.

In Folge des Zweiten Wiener Schiedsspruch wurde Klausenburg am 30. August 1940 wieder ungarisch und unter dem neuen Namen Kolozsvári MÁV spielten die Siebenbürgener für ein Jahr in der viertklassigen regionalen Klausenburger Meisterschaft. Die drei folgenden Spielzeiten spielen sie in der zweiten ungarischen Liga ehe Siebenbürgen 1945 wieder an Rumänien fällt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird CFR zunächst in die drittklassige Divizia C eingeteilt, aus welcher der Aufstieg schon im ersten Jahr gelingen sollte. Vor Beginn der zweiten Meisterschaft nach Kriegsende fusionieren die Eisenbahner mit der Erstligamannschaft Ferar Cluj (früher: Kolozsvári Athletikai Club), diese konnten während des zweiten Weltkriegs einen dritten Platz sowie eine Pokalfinalteilnahme feiern. Nach nur zwei Jahren muss CFR Cluj allerdings absteigen. Mit Ausnahme eines siebenjährigen Intermezzos in den sechziger und siebziger Jahren spielten die Eisenbahner nur noch zweitklassig, in den achtzigern und neunziger mehrmals sogar drittklassig.

Im Januar 2002 steigt Árpád Pászkány, der Geschäftsführer von ECOMAX M.G, bei CFR ein. Der Mannschaft gelingt die Rückkehr in die zweite Liga und in der übernächsten Saison nach fast 30 Jahren Abstinenz schließlich die Rückkehr ins Oberhaus. Die erste Saison endete mit einem durchwachsenen elften Platz. CFR meldet allerdings für den UEFA Intertoto Cup und kann sich dort zunächst gegen FK Vėtra und Athletic Bilbao durchsetzen, scheitert dann aber an AS Saint-Étienne und der Auswärtstorregelung. In der Meisterschaft geht es für die Klausenburger weiter aufwärts. Einem fünften folgt ein dritter Platz und schließlich der Titelgewinn in der Saison 2007-08. Es folgen zwei weitere in den Jahren 2009-10 und 2011-12 sowie drei Pokalsiege und zwei Superpokalsiege. In der UEFA Champions League gastierten AS Roma, Chelsea FC, Bayern München und Manchester United in Klausenburg. Nach der Meisterschaft 2012 reicht es allerdings nur noch zu einem bescheidenen neunten sowie fünften Platz.

Im aktuellen Spieljahr stand man zur Winterpause wieder auf dem zweiten Tabellenplatz. Zwar ohne Aussicht auf die Meisterschaft, da Steaua Bukarest diese wie auch die beiden vorigen Jahren dominierte, doch schien man es wieder mit den Verfolgern Astra Giurgiu und Petrolul Ploiești aufnehmen zu können. Die Ernüchterung erfolgte Anfang Februar. Der Klub hatte schon zuvor Insolvenz angemeldet und ist damit ohnehin für die Dauer des Verfahrens von europäischen Cupwettbewerben ausgeschlossen. Aufgrund nicht bezahlter Spielergehälter wurden die Klausenburger zusätzlich mit einem Abzug von 24 Punkten bestraft, welcher die Mannschaft ans Tabellenende katapultierte.

Neben Schlussmann Mário Felgueiras, haben auch Verteidiger Ionuț Rada, Flügelspieler Mateo Sušić sowie sechs weitere Spieler den Klub aus Gruia verlassen. Gegen den ebenfalls abstiegsbedrohten FC Ceahlăul Piatra Neamț reichte es am ersten Spieltags der Rückrunde nur zu einem torlosen Unentschieden, gegen Pandurii Târgu Jiu folgte eine 0-4 Niederlage im eigenen Stadion.