Măgura Cisnădie v. ASU Politehnica Timișoara

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POLI, UN NUME DE GLORIE, CE FACE ISTORIE, IN ROMANIA!

Letztes Saisonspiel von Politehnica Timișoara und das gleich um die Ecke in Heltau/Cisnădie. Das ist natürlich ein Pflichttermin, schließlich wird es auch das letzte Drittligaspiel der Viola sein. Der Aufstieg wurde schon am vergangenen Wochende gefeiert. Unter dem Woche gab es dann im heimischen Dan-Păltinișanu-Stadion gegen Nova Mamma Mia Becicherecu Mic vor 3.000 Zuschauern die Krönung. Nach vier Jahren kehrt der Klub damit zurück in die zweite Liga. Ein besonderer Tag für alle, auch für mich, habe ich doch immer Frühjahr 2012, während meiner Zeit in Temeswar, kaum ein Spiel der Jungs verpasst. Auf den Weg nach Heltau machten sich rund 350 Viola, die von rund 40 Gladbachern unterstützt wurden ,welche schon seit einigen Tagen zum Freundschaftsbesuch im Banat weilten. Die Stimmung auf den Rängen war solide, doch nichts außergewöhnliches – zumindest nicht für Poli, für rumänische Verhältnisse schon. Doch wer kann es den Jungs auch verübeln. Der Aufstieg stand schon fest und die Mannschaft ließ sich dazu noch mit 5-1 abschießen.

In er nächsten Saison geht es dann allerdings an das sprichwörtlich eingemachte. Die Kosten werden nochmal steigen, aber auch die Attraktivität. Erstmals in ihrer Geschichte wird die Divizia B eingleisig sein. 22 Mannschaften von Sathmar im Nordwesten bis Konstanza im Südosten werden dann dabei sein. Für die Viola wird es dann darum gehen keinen der sechs Abstiegsplätze einzunehmen. Noch will der Bürgermeister sein Kunstprojekt ACS Poli nicht beerdigen, doch ohne die Unterstützung der öffentlichen Hand oder einen Gönner ist ein Überleben im rumänischen Fußball fast unmöglich. Es bleibt der Viola nur alles Gute zu wünschen und das insbesondere Fehler wie in Salzburg vermieden werden.

Poli, ein glorreicher Name, der in Rumänien Geschichte schreibt!

Demonstration: Dacă n-ar fi „U“

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Am 10. März hatte das Insolvenzgericht in Botoșani über den Insolvenzantrag von Universitatea Cluj zu entscheiden. Seit Jahren schon kämpft der Klub gegen immer steigende Schulden. Auch das Insolvenzverfahren in 2013 konnte keine positiven finanziellen Weichen stellen. Die Angestellten haben seit Monaten keine Gehaltszahlungen mehr erhalten und befinden sich momentan im Ausstand und auch die Spieler, von denen kaum einer älter als 21 ist, sind seit Monaten unbezahlt. Die Fans hatten schon vor Wochen eine Demonstration für den Tag der Entscheidung angemeldet, das Motto „Wenn „U“ nicht wäre“. Bis zu 5.000 Anhänger zogen schließlich durch die Straßen der Stadt. Am Mittag hatte der Insolvenzrichter den Vereinsveranwortlichen einen weiteren Monat Zeit gewährt. Kurzfristig konnten diese ein Dokument vorlegen, welches den Zahlungseingang einer ersten Rate von insgesamt 600.000 Euro belegt. Ein spanischer Unternehmer soll diese geleistet haben und Interesse am Klub haben. Bis zum 10. April hat der Klub nun Zeit einen Plan zu Restrukturierung vorzulegen. Die Chancen stehen gleichwohl schlecht.

Gaz Metan Mediaș v. Olimpia Satu Mare

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Im Herbst erwarb der Fernsehsender DigiSport die TV-Rechte an den beiden zweiten Ligen. Seit dem finden nicht mehr alle Spiele am Samstag um 11 Uhr statt. Das Mediascher Gaz-Metan-Stadion ist eines der wenigen Zweitligastadien, welches über eine Flutlichtanlage verfügt und damit für Abendspiele prädestiniert ist. Zum Jahresauftakt erwartete Gastgeber Gaz Metan Mediaș die Mannschaft von Olimpia Satu Mare, zum ersten Mal seit zehn Jahren.

Etwa sechs Autostunden sind es von Sathmar im äußersten Nord-Westen des Landes bis nach Mediasch. Insgesamt fünfzehn Supporter und Ultras der beiden Gruppen Commando Oli und Sezione Ostile (Feindselige Sektion) mussten sich also schon am frühen Freitagvormittag auf den Weg nach Siebenbürgen machen. Auf der Heimseite versammelten sich etwa dreißig Leute hinter eine Lupii Negri-Fahne. Allerdings handelte es sich dabei eher um eine lose Gruppe von Leuten, die sich hinter eine Fahne versammelt. In alten Berichten werden zwar einige Gruppen mit Ultra‘-Charakter erwähnt, doch soll es sich dabei eher um ein paar Jugendliche gehandelt haben, denen der Verein Auswärtsfahrten und Eintrittskarten spendiert hat. Was in Rumänien lange Zeit gang und gäbe war. Nun könnte der deutsche Leser meinen, dass es sich bei dem Spiel um eine Trauerveranstaltung gehandelt haben muss, insbesondere, wenn man ihm auch noch sagt, dass im ganzen Stadion keine zweihundert Zuschauer anwesend waren. Und das war es auch. Doch kommt es gar nicht so häufig vor, dass im Stadion Fangruppen auf beiden Seiten aktiv sind.

Über eine etablierte Ultra‘-Kultur kann man in der West-Staffel nur bei Universitatea Cluj, UTA Arad und FC Brașov sprechen. Aktive Fangruppen gibt es bei CSM Râmnicu Vâlcea, Olimpia Satu Mare und FC Bihor Oradea. Bei Șoimii Pâncota, Unirea Tărlungeni, Metalul Reșița und FC Caransebeș gibt es hingegen gar keinen Support und bei FCM Baia Mare sowie Chindia Târgoviște lediglich hin und wieder einmal. Der Grund dafür ist sicher vielfältig, aber von besondere Bedeutung ist die Tatsache, dass mit Ausnahme von FC Bihor Oradea (2016 aufgelöst), FC Brașov (steht kurz vor der Auflösung), Gaz Metan Mediaș (Kleine Mittelstadt) und Șoimii Pâncota (Mäzen in einer Kleinstadt) kein Verein vor dem Jahr 2000 gegründet wurde. Vereinsauflösung, Umbenennungen, Mäzen bei Provinzklubs sowie gekaufte Lizenzen waren und sind seit der Jahrtausendwende an der Tagesordnung. Vielen Fans ist dabei auf dem Weg die Identifikation zu ihrem Verein verloren gegangen. Und auch die Repression gegen die Ultras sowie die offensichtlichen Spielabsprachen und die Korruption im Verband tragen wenig dazu bei Fußball genießen zu können.

Gaz Metan Mediaș und Olimpia Satu Mare trafen sich zuletzt im Spieljahr 2005-06 in der Divizia B, ehe sich die Wege trennten. Gaz Metan stieg zwei Jahre später in die erste Liga auf und schaffte es in der Saison 2011-12, in Folge des Lizenzentzuges gegen FC Politehnica Timișoara, sogar in die Qualifikation zur Europa League. Dort setzte man sich in der zweiten Qualifikationsrunde gegen den 1. FSV Mainz 05 durch. Für die Sathmarer ging es in die entgegengesetzte Richtung. Nach dem Abstieg in der Saison 2005-06 ging es im folgenden Spieljahr gleich noch eine Liga tiefer, in die Kreisliga. Da Sparta Mediaș allerdings kurz vor Saisonbeginn aus der dritten Liga zurückzog, blieb Olimpia noch drittklassig. Zur Winterpause wurde der Verein allerdings in den Ort Șimleu Silvaniei im Nachbarkreis Sălaj verlegt. Im Sommer 2008 stand Satu Mare also ohne überregionalen Fußballklub da. Erst 2010 stellte der Kreisrat Geld für einen neuen Fußballklub, den FC Olimpia 2010 Satu Mare, bereit, der die besten Spieler des Kreises aufnahm und gleich im ersten Jahr den Aufstieg in die dritte Liga schaffte. Zwischenzeitlich spielte man noch zwei Spielzeiten als Olimpia 2008 Satu Mare mit Jugendspielern in der vierten Liga. Am Ende der Saison 2012-13 stand dann auch die Rückkehr in die zweite Liga fest, zuvor scheiterte man noch knapp an Corona Brașov. In dieser Saison schielt Mediaș noch mit einem Auge auf den Aufstieg, während Olimpia zwar nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird, aber wohl trotzdem in die Abstiegsrunde muss.

UTA Arad v. Universitatea Cluj

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Viel zu bieten, egal ob auf den Rängen oder auf dem Spielfeld, hat der rumänische Fußball momentan nicht. Die Spieler der Nationalmannschaft sind überwiegend in ausländischen Klubs angestellt, im Europapokal sind die rumänischen Vertreter schon im August ausgeschieden und in der zweiten Liga kämpfen mehrere Vereine gegen den finanziellen Bankrott. Lichtblicke gibt es wenige und die ganze Tristesse des rumänischen Fußballs zeigte sich in seiner vollen Kraft in Karansebesch, am Tag vor dem Spiel zwischen Arad und Klausenburg. Gerade einmal 150 Zuschauer waren zum Spiel des Aufsteigers FC Caransebeș gegen den letztjährigen Erstligisten FC Brașov gekommen, mich eingeschlossen.

Das Spiel zwischen UTA Arad und Universitatea Cluj war dahingegen eine willkommene Abwechslung. Der Gastgeber ist mit sechs Meisterschaften und zwei Pokalsiegen noch immer die erfolgreichste Mannschaft außerhalb Bukarests. Gleichwohl liegen diese Erfolge schon Jahrzehnte zurück. In den letzten Dekaden musste man sich allzu häufig mit Zweitligafußball begnügen. Weniger erfolgreich, lediglich einmal konnte man den Cup gewinnen, ist „U“ Cluj. Auf den Rängen gehören die Anhänger beider Klubs zu den besseren des Landes, auch wenn man wie so viele Szenen in den letzten Jahren stark nachgelassen hat. Die Rivalität zwischen beiden Fanszenen ließ dementsprechend auf ein gutes Spiel hoffen. Noch bis vor einigen Jahren verband beide Seiten ein freundschaftliches Verhältnis. Das ist heute jedoch anders und so präsentierte UTA einiges an Material des Gegners, garniert mit dem Spruch „Damit ganz Europa sieht wie stark Cluj-Napoca ist“ – in Anlehnung an Klausenburg als Europäische Jugendhauptstadt und inoffizielle Hauptstadt Siebenbürgens. Darüber hinaus pflegt die „Alte Dame“ heute ein freundschaftliches Verhältnis mit Steaua Bukarest (Sud Steaua), während die „Studenten“ dem Lokalrivalen (Sud Dinamo) wohlgesonnen sind. Gleichwohl sollte man dies nicht mit einer innigen Freundschaft verwechseln. Es gab Zeiten, als die Szenen des Landes die Hauptstadtklubs hassten und diese wirken bis heute nach. Eine Freundschaft verbindet UTA vielmehr mit dem Drittligisten Corvinul Hunedoara, die Black Devils von „U“ wiederum pflegt Kontakte zu Jiul Petroșani (Noi din Vale), von einer engen Freundschaft, die gesamte Szene betreffend, lässt sich hier allerdings nicht sprechen.

Die Spiel selbst war zunächst eher träge, genau wie die Stimmung auf dem Rängen. Die Platzverhältnisse ließen wenig Raum für ansehnliches Kurzpassspiel und der bessere Dorfsportplatz – UTA baut derzeit ein neues Stadion – war zudem wenig stimmungsförderlich. Die Hausherren trafen allerdings in der Nachspielzeit der ersten Hälfte und zumindest auf den Rängen wurde es damit in der zweiten Hälfte besser und gegen Ende sogar richtig gut. Für das heutige Rumänien ein zufriedenstellender Tag, in Bundesrepublik wäre es stimmungstechnisch eher auf dem Niveau eines besseren Regionalligaspiels. Außerhalb des Stadions blieb es nach dem Spiel ruhig, die Uniformierten hatten aber auch einiges an Ausrüstung aufgefahren. Da war wenig Spielraum für die 100 Gäste und etwas mehr sportlichen Arader.

Corvinul Hunedoara v. Politehnica Timișoara

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Wirklich interessante Spiele hat die fünfgleisige dritte Liga nicht zu bieten und auch viele Stadien erinnern doch eher an Dorfsportplätze. Die große Ausnahme bilden ASU Politehnica Timișoara und FC Hunedoara. Letzterer Klub ist besser bekannt unter dem Namen Corvinul Hunedoara, benannt nach dem Schloss Eisenmarkt (rum. Castelul Corvinilor). Neben insgesamt 17 Jahren Erstligazugehörigkeit besteht der größte Erfolg im Erreichen der zweiten Runde des UEFA-Pokals 1982-83 gegen FK Sarajevo. Wie für so viele Mannschaften ging es im Jahrzehnt nach dem Ende der Diktatur allerdings steil bergab. Für Corvinul endete die Talfahrt im November 2004 mit dem Ausschluss aus der Divizia B. Die erste Choreografie auf den Rängen des Michael Klein-Stadions soll es im Jahr 1997 gegeben haben. Als eine wichtige Station in der Entwicklung der Fankultur wird das Auswärtsspiel in Temeswar in der Saison 1999-2000 betrachtet, als die Mannschaft von 800 Anhängern begleitet und das erste Mal eine Gruppe mit einer Zaunfahne sichtbar wurde – der Fahne von „Toxic Zone“. Mit dem „Ultras Korp“ im Jahr 2005 kann dann zum ersten Mal von einer Ultra‘-Gruppe gesprochen werden. Im selben Jahr folgte auch die Gründung der Gruppe „Distrikt Ultra’“, beide standen fortan zusammen in der Nordkurve. Gleichwohl wurde schon in den Jahren zuvor durch die Gruppen „ULTRAS“ und „Nuova Ultras Corvinul“ versucht eine neue Mentalität auf die Traversen des Stadions zu bringen. Die „Hell Boys ’07“ sind schließlich die einzige Gruppe aus diesen Tagen, die bis heute besteht.

Neben dem Vorhandensein von Fanszenen auf beiden Seiten bot die Konstellation der Freundschaften zusätzliche Brisanz. Denn die Jungs von Corvinul sind mit UTA Arad und Steaua Bukarest befreundet, den Erzrivalen von Politehnica Timișoara, welche wiederum eine Freundschaft zu Rapid Bukarest pflegen. Dementsprechend hing auch eine „Rapidfans Hunedoara“-Fahne neben den bekannten Gladbacher-Fahnen und der „Sezione Ostile“-Fahne von Olimpia Satu Mare. In der zweiten Halbzeit präsentierten die Temeswarer eine gegnerische Zaunfahne sowie einige Schals. Auf dem Rasen war der Sieg der Viola nie gefährdet und die Mannschaft bleibt damit weiter auf Aufstiegskurs.